Gedenkstätte: Besuch des Gefangenenlagers Sandbostel

Einen Studientag, der sie nachhaltig verändert hat, erlebten Schülerinnen und Schüler aus drei Klassen der BBS II Stade am Mittwoch, den 15. April 2026 in der Gedenkstätte Lager Sandbostel.  

Starten wir mit dem Schluss: Das Feedback der Teilnehmenden ist eindeutig: Auf die Frage, „Wie hat der Besuch deine Sicht auf unsere Welt verändert?“ antworteten einige entsetzt und getroffen …

„Die Nazis waren überall in den Dörfern!“

„Er hat mich aufgeklärt, aber ich muss es noch sacken lassen.“

„Heute werden Sachen als Probleme dargestellt, die aber zu damaliger Zeit nicht zu vergleichen sind.“

„Es hat mich echt getroffen.“

Andere antworteten besorgt und zogen Schlüsse …

„Man sollte nicht immer alles so hinnehmen, wie es gesagt wird“

„Durch die ganze Politik auf der Welt aktuell sind wir von einem großen Krieg nicht weit entfernt.“

„Es kann wieder passieren. Auch in heutiger Zeit. Man sollte sich mit der Geschichte auseinandersetzen.“

Was haben sie dort erlebt, was solch einen Eindruck hinterlässt?

Fangen wir von vorne an. Zwei junge Teamer begleiteten die Gruppen über das Gelände und hatten einiges vorbereitet.  Sie gaben den Schülerinnen und Schülern viele Fotos aus der damaligen Zeit und fragten, welche Fotos überraschen euch. Manche Bilder zeigten hungernde Menschen und Elend, das hatten alle erwartet. Andere Fotos zeigten jedoch eine kostümierte Theatergruppe oder eine aufgeräumte Krankenstation – waren diese Bilder echt? Die Teamer lösten auf: Die Nazis haben Postkarten erstellt, um der Welt draußen vorzuspielen, dass Völkerrechte eingehalten werden.  

Nun ging es weiter über das Gelände in eine der Baracken und wieder sollten die Teilnehmenden selbst überlegen:

In welcher dieser drei Etagen würdest du dich legen, wenn du mit circa 30 Fremden auf circa 25 qm eng zusammenliegen müsstest? Ganz oben, wo es stinken wird? Neben das Fenster, wo du bei -25 Grad frieren wirst? Oder neben der Tür, wo der Aufseher mit dem Knüppel vorbeigeht?

Die Schülerinnen und Schüler konnten sich durch diese Schauplätze zumindest ansatzweise in das Leid der häufig schwerkranken Inhaftierten hineinversetzen. Nach und nach wurden alle stiller und ahnten, dass es hier kein klassischer Museumsbesuch war, sondern das Grauen fühlte sich ganz nah an.

Es folgten einige weitere Stationen, vorbei an einem frisch gepflügten Feld, was im Frühling fast idyllisch wirkt. Die Teamer berichteten von grausamen Szenen, die sich genau dort abgespielt haben müssen. Kurz vor dem Ende des Krieges 1945,  brachten die Nazis Häftlinge aus anderen Lagern nach Sandbostel, wo circa 3.000 von ihnen starben.

Ein Film beschäftigte sich schließlich mit der Befreiung des Lagers – das klingt ja erst mal ganz gut.

Als dann aber die Zeitzeugen berichteten, wie sie als Schülerinnen der 12. Klassen verpflichtet wurden, die Befreiten zu versorgen, konnte man sich vorstellen, wieviel Leid der Umgang der Nazis mit Menschen für alle gebracht hat  

Auf dem Friedhof Sandbostel, wo heute noch große Massengräber an die vielen Ermordeten erinnern, sprachen die Teilnehmenden über ihre Eindrücke und die Frage „Wie soll ich als Jugendlicher in der heutigen Welt nun damit umgehen?“.  

„Man sollte Menschen nie wie Dreck behandeln.“

„Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.“

„Ich bin froh, dass sich seit damals vieles geändert hat.“

„Wählen gehen.“

waren einige Schlussfolgerungen, die aus der Gruppe kam.

Die Teamer erzählten von weiteren Möglichkeiten, aktiv zu werden: Sie berichteten von ihren Erfahrungen als FSJ-ler in einer Gedenkstätte und vom Sommercamp „Work-for-Peace-Camp“, indem junge Menschen aus aller Welt gemeinsam an einem Projekt arbeiten – und das komplett gefördert!  

Zurück ging es bequem mit dem Bus. Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover hat die Studienfahrt gefördert.  

Weitere Infos zur Förderung von nachhaltigen Exkursionen, zum Sommercamp und zur Gedenkstätte hier:

Förderung von Exkursionen, Infos auf dem BNE-Board der BBS II Stade:  https://bbs2stade.taskcards.app/#/board/521da0aa-5432-41f4-9861-b5134538bd14?token=6124cada-3b71-4ade-b39f-fc026c61588e

Infos zum Sommercamp: https://www.volksbund.de/jugendbegegnungen/projekte-anmeldungdetailseite/work-for-peace-internationale-jugendbegegnung-in-hamburg-und-sandbostel-100

Infos zur Gedenkstätte: https://www.stiftung-lager-sandbostel.de/

 

Bilder und Text: S. Stellamanns, BBS II Stade